Pauline Pieritz

Pauline Pieritz

Von Pauline Pieritz ~ Bevor ich mein Studienpraktikum bei der krebsberatung berlin begonnen habe, hatte ich mich erst wenige Monate zuvor das erste Mal mit der Psychoonkologie als psychologische Teildisziplin auseinandergesetzt. In dem Lehrplan eines Psychologiestudiums, das ich derzeit als Masterstudiengang absolviere, findet die Psychoonkologie kaum Erwähnung. Eher zufällig widmete sich eines meiner Seminare auch diesem Thema.

Dort bestätigte sich mein Eindruck, dass nahezu jeder Mensch im Laufe seines Lebens mit Krebserkrankungen konfrontiert wird, sei es durch persönliche Betroffenheit oder durch die Mitbetroffenheit, wenn nahestehende Angehörige die Diagnose „Krebs“ erhalten. Die Psychoonkologie ist für mich auch als Ausdruck eines bestimmten Verständnisses zu begreifen: Ob betroffen oder angehörig, neben der mitunter schwer belastenden medizinischen Behandlung der Krankheit entstehen ganz neue psychische Herausforderungen wie zum Beispiel der Umgang mit großen Ängsten und ihre Bewältigung.

Als Teil des Teams der krebsberatung berlin sehe ich meine Hauptaufgabe darin, Betroffenen und deren Angehörigen Unterstützung bei der Bewältigung ihrer psychischen Belastungen anzubieten. Seit Februar dieses Jahres bin ich hauptsächlich für die telefonischen Sprechzeiten unserer Beratungsstelle verantwortlich. Neben Informationsvermittlung und der Terminvergabe für Beratungsgespräche vor Ort durch meine Kolleginnen spreche ich hier auch mit Menschen in akuten Krisensituationen.

Dieser Teil der Arbeit ist für mich besonders wertvoll, denn hier kann ich im Rahmen eines vertraulichen Gesprächs ein Gefühl für die Bedürfnisse und Ängste, mit denen die jeweilige Person Kontakt zu uns aufnimmt, entwickeln. So habe ich sowohl als Hospitantin bei Beratungsgesprächen einer Kollegin als auch im eigenen Gespräch mit Klientinnen und Klienten die Erfahrung gemacht, dass bereits ein aufmerksames Zuhören und ruhiges Nachfragen eine erste hilfreiche Wirkung haben können. Ich versuche, ihre oder seine persönliche Situation zu erfassen, sie anzuerkennen und dies zum Ausdruck zu bringen. Im Verlauf eines längeren Gesprächs ist es dann auch möglich, über praktische Maßnahmen ebenso wie über individuelle Stärken und Ressourcen zu sprechen, die bei der Bewältigung der Krankheit und ihrer Folgen hilfreich sind und Erleichterung bieten. Nicht einmal selten erlaubt ein solches Gespräch sogar humorvolle Momente.

Während dieser Telefonate haben mir unsere Klienten und Klientinnen bereits großes Vertrauen entgegengebracht. So habe ich von ihnen ein vielfältiges Bild gewonnen – auch unabhängig von ihrer Erkrankung. Ich erinnere mich an mein erstes längeres Krisengespräch am Telefon; obgleich ein solches Telefonat mit seinen „schweren Themen“ zunächst auch für mich etwas Verarbeitungszeit benötigte, beendete ich meinen Arbeitstag mit dem Wissen, dass ich einem Menschen in verzweifelter Lage durch unser Gespräch Unterstützung bieten konnte und es ihm danach etwas besser ging. Diese mitunter explizit ausgedrückte Wertschätzung und Dankbarkeit ist für mich eine unmittelbar erfahrene Motivation und berufliche Bereicherung, die ich zuvor – im Rahmen meines vorwiegend theoretisch strukturierten Studiums – noch nicht erlebt hatte.

Gegen Ende des Jahres werde ich mein Praktikum abschließen. Mein Wunsch für die restliche Zeit ist es, die vertrauensvolle Beratungsbeziehung zu Klientinnen und Klienten auszubauen und ihnen bei der Bewältigung ihrer Krankheitsgeschichte über ein einmaliges Beratungsgespräch hinaus Unterstützung anzubieten.

In Zukunft werde ich Beratungsgespräche persönlich vor Ort führen. Diese neue Herausforderung beginne ich sowohl mit Respekt und Neugierde als auch mit dem guten Gefühl, von dem Team der krebsberatung berlin und von unseren Klientinnen und Klienten das hierfür nötige Vertrauen zu erhalten.

~ Pauline Pieritz, Berlin, August 2019 ~