Angebote für Angehörige

Wir beraten Angehörige unabhängig davon, ob auch das erkrankte Familienmitglied unsere Beratungsstelle in Anspruch nimmt.

Wird die Diagnose Krebs gestellt, geraten auch Angehörige häufig in eine Krise. Sie sind konfrontiert mit der Angst und Sorge um den nahestehenden Menschen. Häufig kommt es bei Beziehungen zu einschneidenden Veränderungen. Die bisherige Rollenverteilung innerhalb einer Partnerschaft verändert sich oder muss sich neu ordnen. Probleme, die bereits vor der Erkrankung da waren, können sich verstärkt zeigen. Die bisherige Lebensplanung ist in Frage gestellt.

In unsere Angehörigenberatung können Personen kommen, die einem Menschen, der an Krebs erkrankt ist, eng verbunden sind, also Ehepartner, Lebenspartner, Freunde, Geschwister, Eltern und Kinder.  Wir beraten Angehörige unabhängig davon, ob auch das erkrankte Familienmitglied unsere Beratungsstelle in Anspruch nimmt. Der erste Kontakt erfolgt meist telefonisch.

Es wird besprochen, welche Art von Hilfe gewünscht und benötigt wird:

  • Sind es Informationen oder Hilfe im Umgang mit dem Erkrankten?
  • Brauchen Sie Gespräche zur psychischen Entlastung?
  • Oder gibt es Beziehungsprobleme?
  • Wird eine persönliche Beratung gewünscht?

Hier stehen die Bedürfnisse der Angehörigen im Vordergrund.

Ziel ist es, Orientierungshilfen zu geben und Sie in Ihrer Situation zu begleiten.

In den Beratungsgesprächen, sei es telefonisch oder persönlich, stehen die Bedürfnisse der Angehörigen im Vordergrund. Ziel ist es, Orientierungshilfen zu geben und Sie in Ihrer Situation zu begleiten.

Im Gespräch erhalten Sie Unterstützung und haben Gelegenheit, in einem geschützten Rahmen über Ihre Ängste und Probleme zu sprechen und sie anzuerkennen. Die Beratung soll die Angehörigen auch in die Lage versetzen, eigene Bedürfnisse zu erkennen, ernst zu nehmen und dem manchmal übermächtigen Erwartungsdruck des sozialen Umfelds besser begegnen zu können. Häufig treten bei Krebserkrankungen unter den Beteiligten Kommunikationsstörungen auf, z. B. wird die Krankheit verdrängt oder sie wird zum Alles beherrschenden Gesprächsthema. Hier unterstützen und ermutigen wir den Angehörigen, neue Formen des miteinander Redens zu erarbeiten und zu üben.

Bei einem Fortschreiten der Erkrankung wird zusätzlich versucht, bei der Beratung den wachsenden Belastungen der häuslichen Pflege Rechnung zu tragen. Ist keine Heilung mehr möglich, werden die Angehörigen darin unterstützt, einen friedlichen oder vielleicht auch versöhnlichen Abschied voneinander nehmen zu können.

In der Zeit der Trauer können die Angehörigen weiter von uns begleitet und unterstützt werden.

Ich bin ein anderer Mensch geworden

„Mein Mann erkrankte im Oktober 1995 im Alter von 37 Jahren an Krebs. Unser Kind war zu diesem Zeitpunkt vier Monate alt, ich befand mich im Erziehungsurlaub. Mein Mann unterzog sich einer Operation und wurde anschließend bestrahlt. Nur knapp ein halbes Jahr später wurden Metastasen in der Leber entdeckt. Mich überforderte der Umgang mit dieser Erkrankung, und ich entschied mich, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Im Juni 1996 war ich zum ersten Mal zu einem Beratungsgespräch in der Psychosozialen Beratungsstelle für Krebskranke und Angehörige e. V. Vier Jahre wurde ich durch die verschiedenen Phasen begleitet.

Am Anfang

Am Anfang stand die Bedeutung der tödlichen Erkrankung meines Mannes im Mittelpunkt. Ich habe sie als Katastrophe erlebt. Sie stellte mein Leben in Frage und löste massive Ängste aus: Angst vor Verlust, Angst vor dem Tod… Begleitet wurde diese Ängste von heftiger Trauer um die verlorengegangene Unbeschwertheit und die in Frage gestellte gemeinsame Lebensperspektive. In dieser Phase lernte ich mit der Unterstützung, die ich in den regelmäßigen Gesprächen mit einer Mitarbeiterin der Beratungsstelle erfuhr, angesichts der tödlichen Bedrohung zu leben. Am wichtigsten wurden für mich in dieser Zeit die Fragen: Was heißt es jetzt in dieser Situation, gut zu leben? Was gehört dazu? Ich lernte nicht in dem Schrecken und der Angst zu verharren, sondern das Hier und Jetzt mit seinen Möglichkeiten zu ergreifen und auszukosten.

Die nächste Phase

Die nächste Phase möchte ich beschreiben als Leben im Angesicht des Todes. Es zeichnete sich ab, dass mein Mann nicht mehr lange leben wird. Durch die Begleitung und Unterstützung konnte ich mir zunehmend vorstellen, dass ich den Wunsch meines Mannes zu Hause zu sterben in allen Konsequenzen mittragen kann. Er verließ die Palliativstation und kam nach Hause. Für uns alle war es eine gute Erfahrung, dass mein Mann selbstbestimmt und auf eine ihm angemessene Weise in der Gegenwart seiner Mutter, unseres Kindes und mir sterben konnte. Wichtig war das gemeinsame Abschiednehmen, und die damit verbundene Erfahrung, dass sich in solch einer schweren Situation das Leben runden, vollenden kann. Die Begleitung hat dazu viel beigetragen.

Die Trauerzeit

In der dritten Phase, der Trauerzeit, hat mich die Angehörigenberatung durch den „schwarzen Tunnel“ begleitet. Durch den Tod meines Mannes habe ich mich wie amputiert gefühlt. Ich habe getrauert, geklagt, gewätet und geweint. Die nun allein zu bewältigende Gegenwart und Zukunft erschien mir als unlösbare Überforderung. Mit Unterstützung der Angehörigenberatung konnte ich durch den Tunnel gehen und am Ende Land und Licht entdecken.

Zum Schluss möchte ich zusammenfassen, was mir die Begleitung bedeutet und gegeben hat

Die Auseinandersetzung mit der tödlichen Erkrankung hat sehr harte seelische Arbeit bedeutet. Ohne Begleitung wäre sie nicht zu bewältigen gewesen. Diese mir zugemutete Lebensphase kann ich auch als Bereicherung meines Lebens wahrnehmen. Es mag paradox sein: durch die tödliche Erkrankung habe ich meinen Mann verloren, ich habe aber auch etwas bekommen. Ich fühle mich verletzt, amputiert und beschenkt – ich bin ein anderer Mensch geworden. Der Tod hat mir den Blick geschärft für die Endlichkeit und Kostbarkeit meines jetzigen Lebens. Ich lebe bewusster und selbstbestimmter im Hier und Jetzt. Ich bin dankbar für die langjährige, kontinuierliche Begleitung und wünsche sie jedem Menschen in solch einer Situation. Ich denke, ich bin durch sie vor seelischen Verkrüppelungen bewahrt geblieben.“

~ Erfahrungsbericht einer Klientin. September; 2007 ~

Angst und Sorge um einen nahestehenden Menschen?

Für ein persönliches Gespräch stehen wir Ihnen selbstverständlich nach telefonischer Terminabsprache gerne zur Verfügung.

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